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Juristische Personen

1. Allgemeines

Beginn und Ende der Steuerperiode sind identisch mit dem Geschäftsjahr. Sie decken sich daher nicht unbedingt mit dem Kalenderjahr. Die Steuerperiode beträgt in der Regel ein Jahr. Unter- und überjährige Geschäftsabschlüsse und damit Steuerperioden sind möglich.

Die Erfassung und Anpassung der provisorischen Faktoren wird durch die Dienststelle Steuern, Abteilung juristische Personen, vorgenommen (faktorenjp.dst@lu.ch / 041 228 56 40).

Das Ende des Geschäftsjahres ist massgebend für die Steuereinheiten (§ 99 StG). Bei Änderungen der wirtschaftlichen Zugehörigkeiten im interkommunalen oder interkantonalen Verhältnis erfolgt der Steuerbezug gemäss der im Rahmen einer Steuerausscheidung ermittelten Steuerfaktoren. Dabei gilt die im interkantonalen Verhältnis massgebende zeitliche Gewichtungsmethode auch im interkommunalen Verhältnis (vgl. LU StB Bd. 2 Weisungen StG § 179 Nr. 5).

2. Rechnungsstellung für "neue" juristische Personen im Gründungsjahr, nach Sitzverlegung in den Kanton Luzern, nach Errichtung einer Betriebsstätte oder Liegenschaftskauf durch eine Firma mit ausserkantonalem Sitz sowie bei Fusion

Gemäss § 96 Abs. 1 StG werden die Steuern vom Reingewinn und Eigenkapital der juristischen Person für jede Steuerperiode festgesetzt und erhoben. Als Steuerperiode gilt das Geschäftsjahr.

Diese Bestimmung verursacht administrative Probleme, da die Dauer des ersten Geschäftsjahres im Zeitpunkt der Gründung oder des Zuzugs noch nicht bekannt ist. Normalerweise muss eine Gesellschaft in jedem Kalenderjahr, ausser im Gründungsjahr (§ 96 Abs. 3 StG), eine Bilanz und Erfolgsrechnung erstellen.

Aus der Sicht der Registerführung lässt sich deshalb nicht sagen, ob das Gründungsjahr (bzw. das Zuzugsjahr etc.) auch ein Steuerjahr darstellt oder ob dieses mit dem folgenden Jahr zusammengelegt wird (Abschluss nicht am 31.12. des Gründungsjahres). Die Dauer des Steuerjahres kann somit erst bei der Einschätzung festgestellt werden.

Um diesem Problem zu begegnen, wendet die Abteilung juristische Personen folgende vereinfachende Regelung an:

Bei Neugründungen juristischer Personen mit Beginn-Datum vom 1.1. bis 30.9. eines Jahres wird angenommen, dass das Geschäftsjahr am 31.12. endet. Bei Neuaufnahmen mit Beginn-Datum nach dem 30. September wird davon ausgegangen, dass im angebrochenen ersten Jahr kein Geschäftsabschluss per 31.12. erstellt wird und das erste Geschäftsjahr somit erst im Folgejahr endet.

Bei Sitzverlegung in den Kanton Luzern sowie bei Errichtung einer Betriebsstätte oder Grundstückerwerb durch eine Firma mit ausserkantonalem Sitz wird generell angenommen, dass der Geschäftsabschluss per 31.12. erfolgt. Folglich wird ab Zuzug, Errichtung einer Betriebsstätte oder Grundstückerwerb provisorisch pro rata Rechnung gestellt.

Bei Fusion geht die Steuerpflicht per Übernahme-/Bilanzdatum von der übernommenen Gesellschaft auf die übernehmende Gesellschaft über.

3. Eingabe im Konkurs

3.1 Grundsätzliches

Die  Steuerpflicht einer juristischen Person endet nicht bereits mit der Konkurseröffnung, sondern erst mit der Beendigung der materiellen Liquidation (Veräusserung aller Aktiven). Die Konkurseröffnung ändert nichts an der Einheit der Steuerperiode, d.h. für diese Steuerperiode werden nicht etwa zwei Veranlagungen erstellt. Dagegen wird beim Steuerbezug die für die Steuerperiode der Konkurseröffnung geschuldete Steuer pro rata aufgeteilt: Der bis zum Tag vor der Konkurseröffnung pro rata aufgelaufene Teilsteuerbetrag wird als gewöhnliche 3.-Klasse-Forderung in den Konkurs eingegeben und kolloziert, ebenso die noch unbezahlten Steuerforderungen früherer Steuerperioden (Ausnahme: pfandrechtsgesicherte Forderungen, vgl. LU StB Band 2a Weisungen StG § 203 - 206 Nr. 1 Ziff. 3.6). Der vom Datum der Konkurseröffnung bis zum Ende der Steuerperiode pro rata aufgelaufene Teilsteuerbetrag wird als Masseforderung in den Konkurs eingegeben und ist von der Konkursverwaltung nach Deckung ihrer eigenen Auslagen, aber vor den Ansprüchen der pfandgesicherten Gläubiger und der Gläubiger der 1., 2. und 3. Klasse zu begleichen. Ebenso handelt es sich bei den für allfällige weitere Steuerperioden bis zur Beendigung der materiellen Liquidation noch entstehenden Steuerforderungen um Masseforderungen. Die Veranlagungsverfügungen für die Steuerperiode der Konkurseröffnung und allfällige nachfolgende Steuerperioden enthalten dementsprechend einen Vermerk, dass die Steuer ab Konkurseröffnung als Masseschuld gilt.

In der Praxis fällt für die Steuerperiode der Konkurseröffnung und allfällige nachfolgende Steuerperioden bis zur Beendigung der Liquidation nur in seltenen Fällen eine Gewinnsteuer an. Dagegen ist die Kapitalsteuer in jedem Fall, d.h. auch bei überschuldeten juristischen Personen, bis zur Beendigung der materiellen Liquidation mindestens vom einbezahlten Eigenkapital (einbezahltes Aktien-, Partizipationsschein-, Grund- oder Stammkapital) zu veranlagen und zu beziehen (§ 90 Abs. 3 StG, VGE vom 25.10.2006 i.S. P. AG). Minimalsteuern können ab der Steuerperiode der Konkurseröffnung bis zum Schluss des Konkurses nicht mehr erhoben werden (VGE vom 2.2.2004 i.S. P. AG).

Bei Nachlassverfahren gelten diese Grundsätze analog. Als massgebender Zeitpunkt für die Abgrenzung zwischen 3.-Klasse-Forderungen und Masseforderungen gilt im gerichtlichen Nachlassverfahren der Tag der Bestätigung des Nachlassvertrags.

Zum Vorgehen bei Konkurs natürlicher Personen vgl. LU StB Bd. 2a Weisungen StG § 189 - 198 Nr. 14.

3.2 Aufgaben der Bezugsbehörden

Vorbemerkung:
Die Dienststelle Steuern hat mit den Konkursämtern des Kantons Luzern vereinbart, die Abläufe für die nach Konkurseröffnungen anstehenden Veranlagungs- und Bezugsverfahren soweit gesetzlich zulässig zu vereinfachen und zu beschleunigen, so dass die Konkursverfahren zügig durchgeführt werden können und der Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten auf das Notwendige beschränkt werden kann. Die ab Konkurseröffnung entstehenden Steuerforderungen (insbesondere Kapitalsteuern) werden von den Konkursämtern als Masseschulden anerkannt und - sofern die Konkursmasse über genügend Aktiven verfügt - vorweg vollständig bezahlt.

3.2.1 Forderungseingabe auf Schuldenruf

Auf den Schuldenruf hin muss die Bezugsbehörde dem Konkursamt innert Monatsfrist alle noch nicht bezahlten definitiv oder provisorisch veranlagten Steuerforderungen betreffend die Steuerperioden vor der Konkurseröffnung eingeben (Art. 232 SchKG). Für die Steuerperiode der Konkurseröffnung ist ein provisorischer Steuerbetrag gemäss den Faktoren für die vorangehende Steuerperiode pro rata bis zur Konkurseröffnung zu berechnen und einzugeben (vgl. auch nachfolgenden Absatz). Nach Erhalt der definitiven Faktorenmeldungen sind die entsprechenden Steuerbeträge jeweils umgehend dem Konkursamt in Rechnung zu stellen. Das Konkursamt passt den Kollokationsplan entsprechend an (ohne Kostenfolge für die Bezugsbehörde; diese stellt demgegenüber keinen Antrag auf Sistierung des Konkursverfahrens).

3.2.2 Vorgehen betreffend Steuerperiode der Konkurseröffnung

Auf der später von der Veranlagungsbehörde zugestellten Veranlagungsverfügung für die Steuerperiode der Konkurseröffnung ist unter den Bemerkungen (nur in der Papierform; im Datenpool fehlt die Bemerkungszeile) der definitive einfache Steuerbetrag für den Zeitraum vom Beginn der Steuerperiode bis zur Konkurseröffnung sowie der definitive einfache Steuerbetrag für den Zeitraum ab Konkurseröffnung bis Ende Steuerperiode ersichtlich. Diese beiden Teilsteuerbeträge sind je mit dem massgebenden Steuerfuss zu multiplizieren und dem Konkursamt als 3. Klasse-Forderung (Teilsteuer Beginn Steuerperiode bis Konkurseröffnung; ersetzt im Kollokationsplan den entsprechenden vorerst provisorisch eingegebenen Steuerbetrag) bzw. als Masseforderung (Teilsteuer ab Konkurseröffnung bis Ende Steuerperiode) einzugeben.

Beispiel
Geschäftsjahr 1.1.-31.12., Konkurseröffnung 1.10.2006, einbezahltes Aktienkapital CHF 500'000.--, Steuerfuss 4,0 Einheiten

Position CHF
veranlagte einfache Gewinnsteuer StP 2006 gemäss Faktorenmeldung 0.--
veranlagte einfache Kapitalsteuer StP 2006 gemäss Faktorenmeldung 500.--
Teilsteuerbetrag 1.1.-30.9.06: 500:360x270x4,0
(als 3.-Klasse-Forderung beim Konkursamt einzugeben und in den Kollokationsplan aufzunehmen)
1'500.--
Teilsteuerbetrag 1.10.-31.12.06: 500:360x90x4,0
(als Masseforderung beim Konkursamt einzugeben und von diesem vorweg zu bezahlen)
500.--

3.2.3 Vorgehen betreffend Steuerperioden nach der Konkurseröffnung

Ebenso sind die definitiven Steuerbeträge für allfällige nachfolgende Steuerperioden bis und mit der Steuerperiode der Beendigung der materiellen Liquidation jeweils als Masseforderungen in Rechnung zu stellen.

3.2.4 Vorgehen betreffend Steuerperiode der Beendigung der Liquidation

Die grundsätzlich unterjährige Dauer der Steuerpflicht in der letzten Steuerperiode (Ende Steuerpflicht im Zeitpunkt der Beendigung der materiellen Liquidation) ist bereits in den gemeldeten Faktoren berücksichtigt, weshalb keine Umrechnung dieser Faktoren pro rata erfolgen darf.

Beispiel
Geschäftsjahr 1.4.-31.3., Ende der Steuerpflicht (= Beendigung materielle Liquidation) 31.1.2006, einbezahltes Aktienkapital CHF 500'000.--, Steuerfuss 4,0 Einheiten

Position CHF
veranlagte einfache Gewinnsteuer StP 2006 gemäss Faktorenmeldung 0.--
veranlagte einfache Kapitalsteuer StP 2006 gemäss Faktorenmeldung: 500:360X300 416.65
beim Konkursamt als Masseforderung einzugebender Steuerbetrag: StP 2006: 4,0x416.65 1'666.60

3.2.5 Vorgehen bei Einstellung des Konkurses mangels Aktiven

Zur Einstellung des Konkurses mangels Aktiven nach Eröffnung des Konkurses oder auch erst im späteren Verlauf des ordentlichen bzw. summarischen Konkursverfahrens kommt es, falls die Konkursmasse die Kosten für das summarische Verfahren voraussichtlich nicht decken kann (Art. 230 Abs. 1 SchKG). Die Einstellung unterbleibt, wenn ein Gläubiger innert 10 Tagen seit Publikation der Einstellung die Durchführung des Konkursverfahrens verlangt und den vom Konkursamt festgesetzten Kostenvorschuss leistet (Art. 230 Abs. 2 SchKG). Für die Steuergläubiger (3.-Klasse-Forderungen) dürfte die Leistung eines Kostenvorschusses kaum je einen Nutzen ergeben, weshalb dies grundsätzlich unterbleiben muss.

Grundsatz:
Nach Einstellung eines Konkursverfahrens mangels Aktiven hat die Bezugsbehörde dem Konkursamt trotz erfolgter Faktorenmeldung durch die Abteilung juristische Personen keine Steuerrechnungen mehr zuzusenden und die offenen Steuerforderungen können direkt abgeschrieben werden.

Ausnahme:
Stellt die Veranlagungsbehörde oder die Bezugsbehörde fest, dass trotz Einstellung des Konkurses mangels Aktiven die juristische Person noch über substanzielle nicht verwertete Aktiven (z.B. Grundstücke) verfügt, bleibt die Gesellschaft bis zur Verwertung dieser Aktiven am Steuerregister. Als Zustelladresse wird der letzte bekannte Verwaltungsrat eingesetzt. Im Zweifelsfall soll die Bezugsbehörde mit der Dienststelle Steuern, Abteilung juristische Personen, Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzusprechen. In Frage kommt diesfalls ein Einspruch gegen die Löschung der Gesellschaft im Handelsregister innert 3 Monaten seit Publikation der Konkurseinstellung oder ein Begehren um Wiedereintragung der bereits gelöschten Gesellschaft beim Handelsregisteramt, falls das Vorhandensein nichtverwerteter Aktiven glaubhaft gemacht werden kann. Wird dem Begehren entsprochen, dauert die Steuerpflicht der Gesellschaft bis zur Versilberung aller Aktiven weiter und kann die Fortsetzung der vor Konkurseröffnung eingeleiteten Betreibungen auf Pfändung verlangt werden bzw. können auch neue Betreibungen auf Pfändung gegen die Gesellschaft angehoben werden. Für pfandrechtsgesicherte Forderungen kann zusätzlich beim Konkursamt die Verwertung der Liegenschaft verlangt werden (Art. 230a Abs. 2 SchKG).

3.2.6 Spezialfall grundpfandgesicherte Steuerforderungen

Für grundpfandgesicherte Steuerforderungen (vgl. LU StB Bd. 2a Weisungen StG § 203 - 206 Nr. 1 Ziff. 3.2.2/3.2.3) ist gemäss den Ausführungen unter LU StB Bd. 2a Weisungen StG § 203-206 Nr. 1 Ziff. 3.6 vorzugehen.

3.2.7 Überwachung Konkurseröffnungen

Die Bezugsbehörde ist für die Kenntnisnahme der Konkurseröffnungen und damit verbundener Schuldenrufe selbst verantwortlich und muss zu diesem Zweck laufend das Luzerner Kantonsblatt (Rubrik "Konkurs, Betreibung") konsultieren. Wird der Konkurs nicht im Kanton Luzern eröffnet (bei beschränkter Steuerpflicht im Kanton Luzern, sekundäres Steuerdomizil), erfolgt nicht stets auch eine Publikation im Luzerner Kantonsblatt. Die Konkurspublikation ist aber in jedem Fall im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) ersichtlich.

3.2.8 Folgen verspäteter Konkurseingaben

Wird die Monatsfrist von Art. 232 SchKG nicht eingehalten, können die Forderungen gleichwohl noch bis zum Schluss des Konkursverfahrens dem Konkursamt eingegeben werden, wobei aber allenfalls die Kosten für die Neuauflage des Kollokationsplans zu bezahlen sind und kein Anspruch auf allfällige vor der Eingabe erfolgte Abschlagszahlungen besteht (Art. 251 SchKG). Nicht bis zum Schluss des Konkursverfahrens eingegebene Steuerforderungen werden weder kolloziert noch wird für sie ein Verlustschein ausgestellt; sie müssen abgeschrieben werden (LU StB Weisungen StG § 201 Nr. 3 Ziff. 1).